11/2004 Erweckung
Hilfe, die Erweckung kommt!
Nein, ich fürchte mich nicht vor Selbstmordattentätern, die sich mit ihren unter dem Wintermantel versteckten Sprengstoffgürteln unauffällig unter die wartende Masse von Regenschirmen mischen, die auf den 31er-Bus warten. Nein, Ich habe keine Angst davor, dass ein irre gewordener Taliban im Namen Allahs unser Bundeshaus mit radiaktivem Müll einäschert und nein, mir graut’s nicht vor Saudi Arabischen Kamikaze-Piloten, die Passagierflugzeuge in die Türme unseres Fraumünsters lenken. – Und selbst wenn ich Osama Bin Laden bei Hugo Bigi im Talk Täglich palavern sehe, fallen mir nicht noch mehr Haare aus. Nein, liebe Freunde, davor habe ich keine Angst. Wovor ich mich hingegen wirklich fürchte, ist die ERWECKUNG.
Erweckung bedeutet im christlich-evangelikalen Volksmund etwa soviel wie sprunghafte Assimilierung sekulärer MitbürgerInnen Zwecks kompletter Gedankenkontrolle durch vorgegebene, eindimensionale Bibel-Schlagwörter. Für evangelikale Kreise ist dabei ein solcher Assimilierungsprozess nur dann erfolgreich, wenn drei grundlegende Kriterien erfüllt sind:Eintrag im Bekehrungsbüchlein des Pastors mit dem Stempel: „nach Übergabe-Gebet erfolgreich getauft.“ Strikte Ablehnung sämtlicher unmoralischer Handlung wie: „Abtreibung, Sex im Fernsehen, Schwul sein, Fluchen, Kinderkrippen, Heroinabgabe, Fingernägel kauen etc. Regelmässiger Kirchenbesuch und finanzielle Unterstützung der Gemeinde.
Je nach dem wie eng diese Kriterien gefasst werden, rechnen die Evangelikalen mit 2-5% wiedergeborenen Christen in unserem Land. (Die restlichen Christen haben also damit nichts zu tun.)
Die Chancen einer solchen Erweckung, also eines sprunghaften Anstieges dieser erwähnten Prozentzahlen, stehen indes ziemlich gut. In Amerika, und fast alles was heute in Amerika ist abgeht schwapp spätestens übermorgen nach Europa, liegt diese Quote bereits bei 50% und mehr! Tendenz steigend. Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten läuft nichts mehr ohne die Assimilierten. Sie brennen Abreibungsklinken nieder, ersetzen in den Schulen die Evolutionstheorie durch das Morgengebet und gewinnen die Präsidentschaftswahlen - Mit George Bush II zum Beispiel: Einem Paradebeispiel eines erweckten, bibeltreuen Christen! George, der selbst ernannt Ghost-Buster von Dienst, der in seinem religiösen Eifer allem nachjagt, was er nicht in der heiligen Schrift finden kann: Öffentliche Krankenkasse, Umweltschutz, Steuergleichheit, Schurkenstaaten und vorehelichen Geschlechtsverkehr. Die Christen im Land klatschen Beifall. Sie wissen, ihr US-Amerika ist auf dem besten Weg zurück zur Tugend und Moral! Wenn der Staat den letzten Sünder und Dieb mit einer „sanften Spritze“ über den Jordan geschickt hat, gibt es für den Gottesstaat kein Halten mehr. – Willkommen im Mittelalter!
Und wir Europäer? Sind wirklich so dumm und wollen DAS nachmachen? Nun, wir sind auf dem besten Weg dazu. Die EDU schüttelt schon viel kräftiger mit dem Zeigefinger und die evangelikalen Mathematiker in unseren Gemeinden rechnen immer wieder aufs neue die Quote der Gerettet aus. Die „nicht ganz sicher gerettet Christen“ schütteln indes nur den Kopf darüber. Für sie erhält das berühmte Buch von J. Lewis „Pardon, ich bin Christ“ plötzlich ganz neue Bedeutung. Sie sagen ganz selten etwas gegen diese Neue Richtung. Ihnen hat es seit dem 2. November (US-Wahlen) die Sprache verschlagen. Sie sitzen nur da und beten, dass die Erweckung nicht kommt.
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