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1/2004 Ans Holz genagelt

3/2003 Evangelische Privatisierung

4/2003 Der 10 Punkteplan

Psychologie

Der 10-Punkteplan zum Ja-ja-Christen oder
Die Psychologie und anderes Teufelszeug

Die grössten Feinde des Christentums sind nicht etwa Marilyn Manson, AC/DC, die Pornographie, Fiat Lux oder andere abtrünnige Gemeinschaften. Nein, der „Wahre Feind“ des Christentums ist die Psychologie. Mit ihren hundsgemeinen verleumderischen Angriffen auf unseren Glauben ist sie ein teuflisches Werkzeug, das nach seinesgleichen sucht. Immer dann, wenn wir unsere religiösen Erleuchtungszellen am Kernkraftwerk Gösgen angeschlossen glauben und auf Wolke 7 herum spacen, wollen diese bösen Psychologen unseren kollektiven Verklärungsversuch als abhängig machende Selbstmanipulation abtun. Unter dem Motto: „Kein Toronto ohne Psycho-Pronto“ setzen sich diese Bleistift-Blasphemisten in unsere Veranstaltungen und analysieren unser Gehopse und Geschreie nach tiefen- und systempsychologischen Ansätzen. Denn für sie steht längst fest: „Die Psychologie hat Gott getötet!“

Aber die Zeit des Gegenangriffs ist nun gekommen, liebe Geschwister. Zeit, den Feind mit den eigenen Waffen zu schlagen. Zeit, unsere inneren Mauern manipulativ zu festigen. Zeit für den „10-Punkte-Plan zum Ja-ja-Christen!“ Einfache, meist sogenannt behavioristische, psychologische Umerziehungsmethoden sind uns dabei eine grosse Hilfe. Und so geht’s:

Punkt 1:
Streiche in deiner Bibel alle Stellen an, die von der Hölle, dem Weltuntergang und von der Sünde handeln und lerne sie gut auswendig.

Punkt 2:
Wahrscheinlich regt sich in dir Widerstand, weil dir diese Stellen zu einseitig und zu radikal erscheinen: Super! Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um dir einzureden, dass du gerade vom Feind versucht wirst. Denk ganz fest an den Satz: „Alle Zweifler und Skeptiker kommen in die Hölle!“. Das steht zwar nicht in der Bibel, aber das spielt jetzt keine Rolle, denn es geht ja um deine Seele!

Punkt 3:
Achte dich darauf, welche weltlichen Dinge dir Spass machen (zum Beispiel: in die Disco gehen, Action-Filme ’reinziehen etc.) und erfinde plausible Gründe, warum diese weltlichen Laster dich in Wahrheit nur unglücklich machen. (Wiederum gilt hier: egal ob biblisch haltbar oder nicht, Hauptsache lustfeindlich!) Streiche alle diese Schwachheiten aus deinem Leben und rede dir jedes Mal ein, dass du glücklich bist, wenn du etwas zu vermissen glaubst.

Punkt 4:
Wenn du dies genug radikal vertrittst, werden sich deine Freunde um dich Sorgen machen: Super! Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen um dir einzureden, dass sie vom Feind gefangen sind und dich versuchen wollen. Nimm ein Papier und schreibe zu jedem dieser „Freunde“ auf, warum er dich von Jesus wegbringen will und wie der Feind ihn kontrolliert. Siehst du jetzt, wie BÖSE diese Welt ist?

Punkt 5:
Du wirst dich jetzt automatisch nur noch mit Leuten umgeben, die genauso denken wie du. Nutze die Gelegenheit, dich noch mehr von der BÖSEN Welt abzugrenzen. Entwickle möglichst viele nicht-säkulare Ausdrucksweisen, die man ausserhalb nicht verstehen kann. (Beispielsweise: „Liebe Geschwister im Geiste, wie mir der Herr mit seinem Wort heute in der stillen Zeit gross gemacht hat, ist’s unserm Herrn ein Anliegen, Frucht zu bringen und Busse zu tun.“)

Punkt 6:
Wahrscheinlich wirst du feststellen müssen, das längst nicht alle Geschwister im Geiste so denken wie du: Super! Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen um dir einzureden, dass Christ eben nicht gleich Christ ist, sondern dass es da auch noch „echte“ und „schwammige“ Christen gibt. Erstelle eine Liste mit Punkten, die alle erfüllt sein müssen, um wirklich Christ zu sein: (Bekehrungsdatum, Wiedergeburt, Geistestaufe etc.) Rechne aus, wer in deinem Umkreis jetzt noch immer Christ ist und wen du als falsche Schlange entharnt hast. Falls nötig, gehe nochmals zu Punkt 5 zurück.

Punkt 7:
Sammle alle Zeitschrift- und Zeitungsartikel, die dir Hinweise auf das Ende der Welt geben. Hänge ein Bild der Arche Noah auf und rezitiere bei jedem Vorbeigehen den Satz: „Gott sei Dank sind wir ja gerettet!“

Punkt 8:
Schnell wirst du jetzt voller Entsetzen feststellen, dass alle anderen dem Teufel in die Hände fallen: Super! Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, um dir selber richtig einzuheizen! Murmle jeder Person, die dir über den Weg läuft zu: „Der Satan hat dich bereits in den Klauen“. Wenn du nun in Panik gerätst und überall nur noch potenzielle Höllenkandidaten siehst, bist du auf dem richtigen Weg!

Punkt 9:
Stellt sie die Frage: Willst du wirklich, dass die Welt zum Spielball des Teufels wird? Kannst du noch schlafen, wenn du weisst, dass 95% aller Schweizer in der Hölle landen? (Benutze ruhig solche gut klingenden, wenn auch frei erfunden, Zahlen um dir Angst einzujagen!) Zwinge dich also auf cool und trendy zu machen um mit der „Sprache der Welt“ diese Höllenopfer zu erretten. Drehe dazu deine Verstärkeranlage prinzipiell auf Lautstärkepegel zehn, kleide deine in Punkt 5 gelernten Sätze englisch ein, laufe im Gorilla-Gang und zwinge dir ein Exctasy-Smile auf. Benutze Sätze wie: „Phoa; Krass eyh, Jesus ist der volle Hype, Mann!“, „Die Church ist voll fett“ und „Die Message ist ein irrer Vibe, ej“. Beachte aber, dass du dabei ja nicht die Punkte 1-8 verletzt und weltoffen wirst oder vergisst, zu drohen und Angst zu machen.

Punkt 10:
Bekehre nun mit der Methode von Punkt 9 auch die Psychologen!

Euer voll krass-impacted Bruder im Geiste
Adi „Muck“ Marti

PS: Wenn du mit dem 10-Punkteplan scheitern solltest: Mach’s wie ich: Vergiss diesen Quark, studiere stattdessen die „Anbote“ dieser Homepage und freue dich darüber, dass man auch noch selber denken darf!

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Mucks Kolumne "Der 10 Punkteplan" [50 KB]