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4/2003 Der 10 Punkteplan

3/2003 Evangelische Privatisierung

Evangelische Privatisierung

Zu Beginn dieser Kolumne sei aus dem Hit „GBY – mit segnenden Grüssen“ der deutschen Rapgruppe „die Frommen vier“ zitiert:

ETG, EMK & FEG
FMG, NTG & BEG
CLZ, VCF & GFU
Singen Worship laut und stehen dazu
icf ohne Hände wegen VIP
Fremde Sprachen nicht nur bei Pfi-m-i
IGW, VBG & CFC
Bei R-e-f und K-a-t
Sind die Bänke leah

GBY mit segnenden Grüssen, wir treten uns mit Füssen, strecken die Zunge raus. Geht der Eine drauf, lachen wir ihn aus. Bevor wir zusammen leben, sterben wir lieber aus.

Für einmal sind wir Christen der Privatwirtschaft voraus gewesen. Während Papa-Staat noch immer wie eine Glucke auf dem Stromnetz brütet und die scheinprivatisierte Swisscom den Rest der Welt für zu dumm hält Kabelanschlüsse ans Haus zu ziehen, hat das Christentum bereits unter Luther & Zwingli die Zerschlagung des Kartells gefeiert. Bis zur Vollendung der evangelischen Liberalisierung mussten zwar noch die Köpfe einiger (Wieder)täufer rollen, aber das tut nichts zur (Tat)sache: Die christliche Marktwirtschaft hat gesiegt.

Die Vorteile dieses Systems liegen auf der Hand. Musste man früher für teures Geld Ablassscheine von der Monopolistin kaufen, so kann man heute unter den verschiedenen Anbietern auswählen. Die Gewissheit des Seelenheils ist so viel günstiger zu haben. Für den Grundstock (1. Himmel) genügt meist die simple Bekehrung. Wer’s etwas gemütlicher mag, tut sich aber gut, wenn er etwas Weitsicht behält.

Dies ist Gott sei Dank viel einfacher geworden, denn noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten zum Punkte (Schätze im Himmel) sammeln wie heute. Um festzustellen wie viele Punkte wir auf dem Konto haben, gibt es eine simple Berechnungsformel:

tägl. Gebetszeit + (Anzahl Bekehrungen * EdNB / versäumte Gottesdienste)

Die EdNB (Effizienz der Neubekehrten) ist natürlich primär von der Kirche abhängig, in die man die Neubekehrten steckt. Tendenziell erhält für moderne, charismatische Gemeinden mehr Punkte, weil dort die Neuchristen höhere Bekehrungsquoten an den Tag legen als in traditionellen Gemeinden. Welche Kirche wie viele Punkte bringt, kann man unter www.comparis.ch nachschlagen.

Die Verbesserung, die uns die evangelische Privatisierung gebracht hat, lässt sich auch statistisch feststellen. Wendet man für alle bekehrten Christen die obige Formel an, so ergibt sich aus der Summe das BGP (Brutto-Gottzial-Produkt). Wenn nun das BGP jährlich um mehr als 3% wächst, so spricht man in Expertenkreisen von Erweckung, was uns unmittelbar bevorsteht. Weiter so Geschwister!

Noch ein kleines Wort an euch: Ich glaube ebenfalls an eine Erweckung. Aber erst wenn dieser Bullshit aufhört.

GBY
Adrian Marti (Muck)

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Mucks Kolumne "Evangelische Privatisierung" [43 KB]