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2/2003 Zur Hölle mit euch Sündern

2/2003 - Zur Hölle mit euch Sündern

Wir Christen haben es schwer! Während sich unser Nachbar an der Playstation die Finger blutig ballern darf und in aller Offenheit seinen Chef auf eine Saharareise nach Algerien wünscht, sind wir dieser verdammten Nächstenliebe verpflichtet. So was ist doch nicht fair! Wo zum Geier bleibt den da noch Platz für Aggression und Rache? Antwort bieten etwa Fox TV und CNN, die es uns erlauben an der göttlich legitimierten Demokratisierung des Iraks teilzunehmen - oder unsere Lobpreislieder bei denen wir dem blutigen Rachengel des Herrn unser ganzes Vertauen aussprechen können.

So auch jene Gesangsnachbar(bar)in, die mit schier unfassbarer Leidenschaft jenen Tag der Vergeltung herbei singt in dem wir Christen gerettet werden und die Welt dem Sündenpfuhl befreit wird. Konkret: In dem unserem erwähnten gottlosen Nachbar endlich die Hölle heiss gemacht wird. „Ein defiger Text“, finde zu meinem lauthals juchzendem Nebenüber. Jene überhört die Kritik und antwortet mit zustimmendem Wonnenstrahlen im Gesicht: „Ja, und er ist WAHR!“

Heute verstehe ich sie. Solche Botschaften geben uns wirklich Mut. So können wir auf der Strasse weiterhin freundlich lächeln und zu unserem Nachbar so richtig doll lieb sein. Schliesslich wissen wir, dass dieser Saukerl seine Strafe schon bald erhalten wird – und zwar erst noch so, dass wir unsere Finger in blanker Unschuld waschen dürfen: Hallo-Julia!

Dank diesen wunderbaren Liedern können endlich auch wir das ZSC-Feeling erlangen, das bei den „merda Resega-Gesängen“ das Hallenstadion einlullt. Nicht nur Hooligans, sondern auch wir können Fahnen schwingend unseren Sieg über die Welt feiern. Kein Z-Fan stört es, dass nicht er selbst, sondern Edgar Salis den Puck ins Netzt gefegt hat. Längst hat er sich in Seger, Baldi, Zeiter und Sulander Projektionsflächen geschaffen, die er so tief verinnerlicht hat, dass jene ein Teil von ihm geworden sind. So spielt es auch uns keine Rolle mehr ob wir „feiert Jesus“ oder „feiert uns“ singen. Auch wenn wir das nicht wahr haben wollen: In 80% aller Lobpreislieder feiert das Christendumm bloss sich selber! Die Freude über den zum Fegefeuer verdammten Nachbar ist mindestens so gross, wie die über den trübsaalblasenden Luganesi, der auf den Örlikonerasphalt spuckt.

Das alles hat zwar nichts mit der Nachricht von Jesus zu tun, schützt uns aber erfolgreich vor dem „anders-sein-müssen.“ Wie ich mit meinem Zorn umgehe? Nun, ich schreibe Kolumnen für den YPoM.

Adi "Muck" Marti

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Mucks Kolumne "Zur Hölle mit euch Sündern" [32 KB]