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01/2005 Die Grenzen des Sarkasmus

11/2004 Erweckung

12/2004 Weihnacht

Wie mir Karl Marx als Teeni Weihnachten versaute

Ich habe mich mit Weihnachten ausgesöhnt. Wirklich! Ach, wie konnte ich mich damals als junger, christlich-sozialer Spross über die Verkommerzialisierung dieses Brauches grün, blau und gelb ärgern. Über einen Brauch, der ja, wohlverstanden, mit dem Christentum eigentlich gar nichts zu tun hat. „Doppelverrat: An Marx und an Jesus!“, sagte ich mir damals. „Fette Kohle für die Kapitalisten - und für die Kirche heidnische „Wolfs-Bräuche“ im christlichen Schafspelz“. Weihnachten sei nämlich, so hatte ich mir sagen lassen, ursprünglich ein Lichterfest der Heiden gewesen - vor der Christianisierung. Die Kirche konnte diese gottlose Fete nur dank manipulativer Umdeutung aus den Köpfen der Heiden pusten. Ich stellte mir das damals ungefähr so:

Bischoff: Hm.
Kardinal: Hm, was?
Bischoff: Ich denke nach.
Kardinal: Dürfen wir das?
Bischoff: Wir sind die Kleriker. Wir dürfen. Das Volk darf nicht...
Kardinal: Und über was denkst du nach?
Bischoff: Diese verfluchten Heiden feiern noch immer diese komische Dämonen- Party!
Kardinal: Du meinst die mit den Lichtern?
Bischoff: Bingo!
Kardinal: Sapperlot, dies muss ihnen schleunigst ausgehämmert werden! Aber wie?
Bischoff: Hm, wie wär’s mit einer Christen-Party?
Kardinal: Wie meinen?
Bischoff: Ganz einfach: Wir erfinden eine neue Fete, dann vergessen sie die Ate.
Kardinal: Genial! Was steht an?
Bischoff: Wir behaupten einfach, Jesus sei exakt am 25. Dezember geboren. Und wenn jemand an diesem Tag etwas anderes feiert dann...
Kardinal: ...jagen wir die Inquisition auf ihn los.
Bischof: Bingo!!!

Tja, und ab diesem Tag, so habe ich mir das damals vorgesellt, hat man also Weihnachten gefeiert. So ganz mit Kerzen und Liedern und so. Bis dann ein paar Herren mit dicken Zigarren und Krawatten gemeint haben:

CEO: Hm
Manager: Hm, was?
CEO: Ich denke nach.
Manager: Dürfen wir das?
CEO: Wir sind die Marktwirtschaftler. Die Konzernleiter. Wir dürfen. Das Volk darf nicht...
Manager: Und über was denkst du nach?
CEO: Diese verfluchten Christen feiern noch immer diese billige Party
Manager: Du meinst die mit den Liedern und der Krippe?
CEO: Bingo!
Manager: Sapperlot, dies muss ihnen schleunigst ausgehämmert werden. Aber wie?
CEO: Hm, wie wär’s mit einer Konsum-Party?
Manager: Wie meinen?
CEO: Ganz einfach: Wir erfinden eine neue Fete, dann vergessen sie die Alte.
Manager: Genial! Was steht an?
CEO: Wir behaupten einfach, es gehe darum, sich gegenseitig Sachen an den Hals zu werfen, die der Andere weder will, braucht, noch selber kaufen würde. Und wenn jemand an diesem Tag etwas anderes feiert dann..
Manager ...lassen wir die subtilen Mechanismen des Gruppenzwangs wirken. Welche Eltern wollen denn schon als Rabeneltern abgestempelt werden, weil ihr Kind als einziges keine Playstation unter dem Tannenbaum vorfindet?
CEO: Bingo!!!

Tja und ab diesem Tag, so habe ich mir das damals vorgesellt, hat man also Weihnacht gefeiert, wie wir es kennen. So richtig mit sinnlosen Geschenken und so.

Und heute? Ich weiss nicht... Irgendwie ist es mir ergangen, wie es den meisten jugendlichen Radikalsten mit dem älter werden so ergeht. Ich bin nachsichtiger und verständnisvoller geworden. Vielleicht hatte ich ja damals gar nicht so unrecht. Aber irgendwie ist es mir heute egal. Darüber kann ich mich heute nicht mehr ärgern. Ich freue mich lieber darüber, dass für ein Mal die ganze Nation einen Gottesdienst besucht und dort hört, dass es einen Gott gibt, der uns wohlgesinnt ist und uns liebt – egal warum. Weihnachten lasse ich mir weder von Klerikern noch Marktforschern verderben!

Merry Christmas allerseits
Euer Muck

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Mucks Kolumne "Wie mir Karl Marx die Weihnachten versaut hat" [41 KB]