11/2005 Das Schweigen der Lämmer
Das Schweigen der Lämmer
Einmal, nur einmal in meinem Leben, möchte ich einen ehrlichen Christen treffen. Ihr denkt jetzt sicher wieder: Was soll denn der Quark. Wer ist ehrlicher als die Christen? Nein, ich meine, ehrlich mit sich selbst. Wirklich ehrlich. Hat jemand von euch schon mal einen Frommi sagen hören:
„Jaja, ich heirate halt mit 20, damit ich mit der holden Weiblichkeit endlich in die Kissen steigen kann.“ ?
Oder: „Gewiss, eigentlich muss ich ziemlich reihern, wenn sonntags um 9 der Wecker auf Terror macht, aber es macht sich schlecht, wenn ich mich nicht in der Kirche zeige.“ ?
Genauso wie: „Sicher, ich bete halt so, weil alle bei uns eben so beten und ich dazu gehören will.“ ?
Und: „Überhaupt, wenn ich nicht wüsste, dass ich als Christ so brav spielen muss, würde ich meinem Nachbarn jeweils den Allerwertesten statt die Hand entgegen strecken.“ ?
Gebt mir bitte Bescheid, wenn ihr mal so einen Kerl aufschnappt, denn ich gerate langsam in Verlegenheit: Entweder ich Sünder bin umgeben von Super-Christen mit Keuschheits-immerfreundlich-und-überperfekt-Superkraft (was ich nicht so recht glauben kann), oder die frommen Helden tischen einen riesigen Bullshit auf. Mir, sich selbst und der ganzen restlichen Welt. Sie steigern sich in eine religiöse Paranoia hinein und glauben dann, echte Christen seien mir nichts dir nichts bis zur Ehe asexuell und stetig lieb, brav und angepasst. Da bimmelt bei mir irgendwie die Alarmglocke, bei euch nicht?
Nie vergesse ich die Story von einem Studienkollegen, der seinen Klassenfrommi mit Ratzinger-konservativer Moralvorstellung hat aus dem ominösen Kino im Niederdorf mit dem Popöchen im Schriftzug schlendern sehen. Auch das Österreichische Priesterseminar ist da nicht so weit hergeholt. Und wenn ich daran denke, wie eine geradlinige Christin meine Lieblingsfrau auf “liebevoll“ subtile Weise zur Schnecke macht, weil sie sich in Gefahr sieht, ihr eigenes Glaubensbild reflektieren zu müssen, dann stellt sich mir doch langsam die Frage:
Wo zum Geier gibt es denn noch einen ehrlichen Christen? Einen, der zugibt, dass er sündigt (und somit auch auf die Gnade angewiesen ist). Wenn sie alle schon heute Helden sein müssen, wozu brauchen sie dann noch Jesus? Tja, da schweigen die Lämmer!
Und was meint der Grosse Boss him-self wohl dazu?
Keiner weiss das so genau, aber eines möchte hier an dieser Stelle dazu doch gesagt sein: Der Vorhaut-Jäger und Polygamist aus Überzeugung, Urzeit-Rocker David, schimpft vor Gott lauthals über seine Feinde und erzählt ihm all seine Gräueltaten. Die Bibel nennt ihn einen Mann nach Gottes Herzen. Ist er wohl dieser ehrliche Typ, den ich schon so lange suche?
Euer Muck
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Mucks Kolumne "America bless God" [31 KB]

