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03/2005 Wie man sich seine Feinde weg betet

05/2005 Wie ich Wettkönig wurde

Wie ich Wettkönig bei „Wetten dass…?“ wurde

Still, beinahe bewegungslos, sitze ich da. Das grelle Licht der kilowattschweren Scheinwerfer sticht in meine Pupillen und das Make-up juckt. Der Gedanke daran, dass in genau diesem Moment Millionen von Menschen durch ihre Glotze hindurch mir ins Gesicht starren, bringt meine Adern zum Kochen. Ich zwinge mich selbst ruhig zu bleiben. Es sind schon Hunderte vor mir bei „Wetten dass…?“ aufgetreten.

Gottschalk führt die nächste Gruppe rein. Drei Stück muss ich noch zuordnen, dann habe ich’s geschafft. Vier unscheinbare Gestalten sitzen auf ihren Stühlen. Ihr Rücken bleibt gerade, nur ihr Kopf ist in einem 40-60°-Winkel nach unten geneigt. Ihre Finger sind regelmässig ineinander verschachtelt und ihre Handballen leicht vom Körper weggedreht. Lange sagen sie nichts. Dann fleht ein junger Mann andächtig. „Jesus, du kensch unseri Seele, du bisch unsere Hiirt, unsere Wystock und…“
„Crischona Basel“, unterbreche ich meine frommen Geschwister nun abrupt. - Der Saal tobt.

Die nächste Gruppe sitzt freakig auf den Stühlen, verschränkt die Beine und glotzt gegen den Himmel. „Hey, Däddy“, posaunt einer sofort drauf los, „I tanke dir, dass du sone henne krasse Impäct uf mis Läbe hesch, dass du di fett Säge eifach…“ – „icf Bern“, unterbreche ich auch hier. – Der Saal kocht über.

Die Letzten sitzen streng, unterwürfig, (ge)demütig(t), mit rundlich gebeugten Rücken auf ihren Hockern. Monoton, mit einem leichten Flattern in der Stimme, haucht jemand in seine Hände hinein: „Guete Gott, ja du gsesch, wie fescht mir immer wieder versuched gerächt z’si. Aber mir chönd das eifach nöd ohni dich! Herr vergib eus, das mër…“ – „Täufergemeinde Aarau“, unterbreche ich die Betenden ein letztes Mal und springe siegesgewiss auf. Ohrenbetäubender Lärm umspült die Halle. Die Regie spielt die Siegesmelodie ein und der grosse Thomi legt mir mit einem Grinsen seine Arme auf die Schulter. Ich habe es geschafft.

Einige Stunden später sitze ich als frisch gebackener Wettkönig nachdenklich in einer Bar. Komisch, dass mir auf einmal überhaupt nicht mehr nach feiern zu Mute ist. Neben mir starrt ein betrunkener Punk, der sich kaum noch auf seinem Barhocker halten kann, abwechslungsweise auf sein halbleeres Bierglas und meine Visage. Er hat mich im Fernsehen gesehen.

„Weiste“, lallt er mir zu, „W-wenn die Kerle nicht gebbedet hättn, sondern einfach mit G-gott ge-sprochn, dann hättst du glad einpackn könn’.“ – Ich sage nichts. Was versteht denn ein besoffner Punk schon vom Christentum?!!!

Euer Muck

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Mucks Kolumne "Wie ich Wettkönig wurde" [33 KB]