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05/2005 Wie ich Wettkönig wurde

02/2005 Halleluja Mafia

03/2005 Wie man sich seine Feinde weg betet

Wie man sich seine Feinde weg betet

Hand aufs Herz. Wer kennt sie nicht? Diese mühsamen, Problem beladenen Zungendrescher in unseren schönen frommen Kreisen? Sie jammern uns mit ihrem Seelenschmerz die Ohren wund und halten uns an, auf Amateur-Psychiater zu machen. Dabei legen sie unbewusst eine grässliche theologische Fehlinterpretation zu Tag. Oder steht in Matthäus 11:28 etwa: „Geht zu eurem Kirchahnbanknachbar, alle die ihr euch abmüht und die ihr beladen seid, und er wird euch erquicken?“ Na also! Gott soll sich um sie kümmern, nicht das Bodenpersonal! Also müssen wir uns von solchen Problemhäufen auch nicht das Stimmungsbarometer in den Unterkeller jagen lassen. Deshalb gilt: Augen zu, Ohren zu, weglaufen.

Niemand von uns würde diese Praxis natürlich öffentlich so eingestehen, weil wir wissen, dass irgend so ein Querschläger mit Bart und langem Haar uns vor 2000 Jahren den Umgang mit diesen lästigen Kerlen gewaltig vermiest hat. Zu jener Zeit, der Zeit als das Pharisäertum noch trendy und sexy war, war man noch locker dabei, wenn man kräftig in der Buchstabensuppe herumstocherte und lästerte, was die andern doch für elende Heiden seien. Doch dann kam der erwähnte Stimmungskiller mit Bart und langem Umhang und schwafelte über irrsinnige Sachen wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit, die keiner verstand. – Zu dumm, dass ausgerechnet dieser Kerl (wenigstens offiziell) zum Begründer einer neuen Ära auserkoren wurde.

Wie gesagt: Offiziell, denn inoffiziell haben wir es gemacht, wie man es mit allen Revoluzzern macht. Man entmachtet sie, indem man ihnen das Menschsein abspricht. Nun kann man diesem Typen einfach hinterher beten und seinen Sieg über das Feiern, wovon wir nichts wissen wollen: Die Armut, das Leid, die Unterdrückung und die Gleichgültigkeit. Lasst uns Jesus-Banner malen, Jesus-Lieder singen und Jesus-Gebete Richtung Himmelstor schmettern, aber bitte lasst uns vergessen, dass Jesus zu uns als Mensch gesprochen hat und als Mensch gezeigt hat, wie man Feinde lieben soll!

Gewiss, mit dieser Taktik sind wir sehr erfolgreich. Aber leider steht noch immer so stumpfsinniger Quark in der Bibel. So macht das Christsein doch gar keinen Spass mehr, wenn die Arbeit am Schluss doch wieder an uns hängen bleibt (bleiben müsste).

Keine Bange, liebe Geschwister, so weit kommt es zum Glück doch nicht. Denn es gibt da einige gute Tricks, die ich den Profis abgekupfert habe. Wenn die zuoberst erwähnten Schauerfiguren uns den Sonntag versauen wollen, müssen wir uns eng an folgende drei Punkte halten, um sie ganz schnell wieder loszuwerden:

1. Einfach mal zuhören. Das gibt dem Gegenüber das Gefühl, das man auf ihn/sie eingeht. Das klingt langweilig, ist es auch, gibt aber Punkte im Himmel und macht uns zu ganz guten Christen.
2. Jetzt ist es an dir zu schwatzen. Sag deinem Gegenüber, dass Gott mit allen Menschen einen wunderbaren Plan habe und dass er schon wisse, wozu dieses Leid gut sei. Wenn man dir nicht glaubt, hilft folgender Satz weiter: „In deinem Leben gibt es noch zu viele Unreinheiten. (Geldgier, Sexfilme, Nasenbohren etc.) Gott will dass du zuerst mit diesem Dreck aufräumst... Versuchs mal mit fasten.
3. Punkt drei tritt nun in Kraft, damit dein zum Schweigen gebrachtes Gegenüber dich nicht wieder mit neuen Palavereien eindecken kann. Schlage vor, für ihn/sie zu beten. Bete laut und intensiv. Egal was. Wenn sich dann das Häufchen Elend vor dir immer noch eloquent zeigen will, dann frag enttäuscht zurück ob er/sie denn nicht an die Kraft des Gebets glaube. Etwas Gottesglaube sei natürlich schon gefragt, wenn man wolle, dass es auch besser komme. Glaube mir, in 90% aller Fälle hast du nun gesiegt. Du kannst dich nun, sogar mit gutem Gewissen und als aufrechter Christ, aus dem Staub machen.

Christ sein ist also halb so schlimm als wie man immer meint. Man muss nur wissen, wie man mit Gottes Wort effizient umgeht und wie man seine Feinde wegbetet!

Ich wünsche Euch allen eine gute Zeit und hoffe stark, dass ihr eine ehrlichere Interpretation der Worte Jesu findet.

Euer Muck

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Mucks Kolumne "Wie man sich deine Feinde weg betet [41 KB]