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12/2004 Weihnacht

01/2005 Die Grenzen des Sarkasmus

Die Grenzen des Sarkasmus'

Sarkasmus ist, meiner Ansicht nach, ein geeignetes Instrument, seine Unbefindlichkeit über etwas zu äussern, um sich, meist unter gleich Denkenden, Gehör zu verschaffen. Das Problem des Sarkasmus’ ist aber, dass er grundsätzlich destruktiv ist. Er übt Kritik aus, zeigt (subjektives) Unrecht auf. Positiv gefüllte Aussagen erlaubt der Sarkasmus nicht. Die Grenzen des Sarkasmus’ liegen für mich deshalb dort, wo nicht Kritik, sondern Trost gefragt ist.

Ich habe mich aus Aktualitätsgründen dazu entschieden, in dieser Kolumne nicht auf das voting einzugehen. Nicht, weil ich der Meinung bin, wir sollten uns von dem Weltgeschehen dermassen niederreissen lassen, dass auf Humor zu verzichten sei. Aber soll ich mich in Anbetracht der hunderttausenden von Toten in Südostasien über kleinliche christliche Scherereien mokieren? Wie gesagt, dies soll alles seinen Platz haben, aber heute will ich über das schreiben, was mich wirklich beschäftigt und da wäre Sarkasmus falsch am Platz.

Mit unserem Freundeskreis haben wir in den Walliser Bergen über die Naturkatastrophe in Südostasien gesprochen. Wir stellten uns, ganz sicher nicht als einzige auf der Welt, die Frage, wie Gott eine Katastrophe solchen Ausmasses zulassen konnte. Wäre es nicht in den Kompetenzbereich unseres Vaters gefallen, diesen Tsunami zu verhindern?

Wir sahen uns mit duzenden von Fragen konfrontiert, auf die ich bis heute keine Antwort gefunden habe – denn alle Antworten wären sowieso nichts als falsche Entschuldigungen, leere Worte, gewesen.

Wozu schreibe ich dann überhaupt, wenn ich mit dieser Kolumne also gar keine Aussage machen will und kann? Uns Christen fällt es sehr schwer, ja es scheint uns manchmal sogar unmöglich, keine Antworten auf etwas zu haben. Wir erfinden zuerst Erklärungen, die sich mit unserem Gottesbild vereinbaren lassen, dann beginnen wir zu predigen. Unechte Antworten sind aber, meiner Ansicht nach, noch viel schlimmer und verletzender als deplatzierter Sarkasmus. Denn wer selbst redet, kann nicht mehr zuhören, nicht mehr hinhören und Mit-leid haben. Halten wir deshalb, liebe Freundinnen und Freunde, diese schmerzhaft brennende Frage aus. Sie ist nicht ketzerisch. Im Gegenteil, ich glaube, dass Gott will, dass wir ihm die Frage stellen, wieso er diese Katastrophe zugelassen hat.

Ich will also nicht „predigen“. Aber ich möchte euch ermutigen still zu werden, diesem Leid zuzuhören. Denn es ist das Zuhören, das Herzen verändert.

Ich wünsche Euch allen ein gesegnetes 2005
Euer Muck

1) Das Kolumnenthema sollte in diesem Monat mit einer Online-Abstimmung entschieden werden.

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Mucks Kolumne "Die Grenzen des Sarkasmus" [33 KB]